7 posts from 2008
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mit dem rumprahlen von 30 grad und sonnenschein ist es erstmal vorbei. seit einer knappen woche regnet es und die temperaturen schaffen es nicht weit ueber die zwanzig grad marke. alle sind voll entsetzt. das klima spinnt. die brasis holen die wintermode raus und auch mein mittlerweile von der hitze "verweichlichter nordeuropaeischer koerper" faengt bei diesen klimatischen bedingungen (welche dem hamburger sommer aehnlich sind) rumzugrippen und legt sich erstmal flach. desweiteren macht mein rechtes auge regelmaessig eine spontane post-boxkampf-performance (heisst: schwillt dick an). mittlerweile mache ich mir keine gedanken mehr darueber und schiebe es auf den dreck der stadt und warte geduldig bis es wieder abschwillt.
gestern gab senhor jose gonzalez eine melancholie-lektion im sesc vila mariana. saemtliche mitklatsch-versuche der bossa nova-fans im publikum wurden gnadenlos mit wunderschoen trister, verzweifelter stimme abgeschmettert. culture clash. have a look:
paranoid park gibts jetzt auch hier im kino.....
very good.......
und karneval will vorbereitet werden. ich uebe samba, was viel einfacher aussieht als es ist.
tbc
pj forever
„Ey, lass uns im Shopping essen gehen.“ J weiss dass ich Shoppings hasse. Riesige unterkühlte blitzeblanke Konsumtempel, Rolltreppen, glitzernde Schaufenster, Unmengen Sicherheitsleute. Ein Ort der auf der ganzen Welt gleich aussieht, sich gleich anfuehlt. Mir straeuben sich die blonden Härchen auf dem braunen (YES!) Arm.
Meiner Begeisterung über den nahen charmant-dreckigen 24-Stunden-Imbiss – mit stets leicht bis mittelschwer angetrunkenem Publikum (schwer angetrunkenen Personen wird dezent empfohlen nach Hause zu gehen) – welcher äusserst günstig sättigende Fleischmahlzeiten mit Reis und Bohnen serviert, unterstellt J auch schnell überwiegend ethnologisches Interesse („Das findest du doch nur toll, weil das so fremd ist für dich!“) – indiskutabel. Warum ich nicht verstehen könne, dass Shoppings in diesem Land nicht nur glitzerndes Inbild des Kapitalismus seien, sondern neben dem Kaufen und Verkaufen auch eine andere Funktion hätten - auch für Personen ohne oder mit wenig Geld: „Es sind angenehm temperierte Orte in einem tropischen Land. Es sind saubere Orte und vor allem sichere Orte, in einem Land wo die Angst Opfer eines Überfalls zu werden zum Alltag gehört, allgegenwärtig ist.“ Ein Ort der Entspannung und Erholung, an dem nicht um Geld gebettelt wird, wo die harte brasilianische Realität draussen bleibt. Und an diesem Ort wird sich dann auch gern mal ohne vorhandene finanzielle Mittel was gegönnt wird – bezahlt wird dann in Raten „erst nach Karneval“ (so der momentane Lockruf).
Die Diskussion um angemessene Speiselokale zwischen J und mir geht weiter, momentan pendeln wir ausgeglichen zwischen Shopping Frei Caneca und BH 24 an der Rua Augusta.
Was sonst noch interessiert:
Die vor Weihnachten in einem spektakulaeren Kunstraub innerhalb von 5 Minuten gestohlenen Gemaelde (u.a. ein Picasso) aus dem MASP (Museu de Arte do São Paulo), wurden heute von der Polizei am Stadtrand in einem verlassenen Haus gefunden und am Nachmittag in Kuehltransporter und mit Hubschrauber- und sonstiger Eskorte zurueckgebracht************Pedro wurde heute vom wilden Hunderudel, welches unseren Innenhof "bewacht" getoetet. Diese Information habe ich aus einem Tratsch unter Nachbarn ueber den Hinterhof aufgeschnappt: Ich gehe davon aus, dass Pedro ein Kater ist - die Trauer war zwar gross, aber bei einem toten Jungen haette es auf jeden Fall mehr Trubel gegeben********
Demnaechst mehr....
...ueber die Diskussion der Frage wieviel einer Hausangestellte (Brasiliens moderne Sklaven) fuer das Waschen von ein bisschen Waesche gezahlt wird ohne ausbeuterisch zu sein
...ueber die koerperlichen Auswirkungen von Ameisenkonsum (habe heute in der Eile die Ameisenstrasse durch mein Wasserglas uebersehen)
...ueber meine Figur in der neuen Badehose waehrend des Fruehsports in der staedtischen Schwimmhalle (J: "Ey du kaufst dir jetzt mal ne Badehose, diese Shorts sind doch voll scheisse. Gewoehn dich endlich mal daran halbnackt und sexy rumzulaufen - das ist hier Brasilien, Baby!")